A K T U E L L E S

Standing ovations für
„Das andere Land“

ZUM GASTSPIEL IN GRENOBLE / FR AM 08.JULI 2004


THEATRE 145, GRENOBLE

Mit tosendem Applaus und standing ovations wurde die Inszenierung „Das andere Land“ des Theaters im Schuppen vergangene Woche im französischen Grenoble aufgenommen. Im Rahmen des 16. Rencontres du Jeune Théâtre Européen zeigten dort 14 Theatergruppen aus Europa, aber auch aus Afrika und dem Nahen Osten ihre Inszenierungen und nahmen an Diskussionsrunden und Werkstätten teil. Der einzige deutsche Beitrag beim Festival, die Inszenierung „Das andere Land“ vom Theater im Schuppen aus Frankfurt (Oder), setzte sich - basierend auf bekannten Balladen von Friedrich von Schiller - mit Liebe und Freundschaft, aber auch Verrat und Krieg auseinander. Die begeisterte Reaktion der 400 Zuschauer wurde in der nachfolgenden Stückbesprechung noch einmal explizit ausgeführt. Dabei wurden besonders die Intensität des Spiels, die Ausdrucksstärke und der Humor vielfach hervorgehoben. Die Art der Inszenierung rief bei den internationalen Theatermachern Assoziationen zum deutschen Expressionismus im Allgemeinen und zu Murnaus „Nosferatu“ im Speziellen hervor. Doch gerade bei der Frage, ob es sich um ein typisch deutsches Stück handle, gingen die Meinungen auseinander. Während die israelische Regisseurin Tamara Mielnik Wert darauf legte, dass sich in diesen Geschichten und dieser Erzählweise eine für die deutschen Literatur und Bühnenkunst sehr charakteristische Handschrift zeige, hob Hubert Kagambega die universelle Gültigkeit hervor. Für den aus dem afrikanischen Burkina Faso stammenden Theaterleiter bedeutete vor allem die Darstellung der Grausamkeit des Krieges ein auf seine Heimat übertragbares Bild. Er hätte gewußt, wie grausam Soldaten sein können; nun hätte er es auf der Bühne gesehen; so äußerte sich der Regisseur nach der Vorstellung und bedankte sich bei Frank Radüg und den Schauspielern des Theaters im Schuppen für die Darbietung. Vieles liegt demzufolge im Auge des Betrachters, wobei manche mehr sehen als andere. Weitsichtigkeit bewies auch Marco Pernich vom Studio Novecento als er bereits vor drei Monaten die Inszenierung nach Mailand einlud. In Grenoble konnte nun die Einladung wiederholt und ein genauer Termin im Mai 2005 vereinbart werden.

CAFE-DEBATTE, IM AMAL GRENOBLE

Neben dem straffen Festivalprogramm fanden Regisseure und Theaterleiter außerdem noch Zeit, die Gründung eines internationalen Theaterverbandes voranzutreiben. Mit der Verabschiedung der Charta des jungen europäischen Theaters wird ein bereits bestehendes Netzwerk von Theatergruppen aus verschiedenen Ländern institutionalisiert. Neben dieser Fixierung von Grundsätzen wie der Verbindung von Theater und Erziehung und dem Verständnis von Theater als Ort der Begegnung, des Experiments, des Austausches tritt der Verband als Sprachrohr des jungen europäischen Theaters gegenüber offiziellen Einrichtungen auf. Gründungsmitglieder des Verbandes sind Créarc (Frankreich), Studio Novecento (Italien), Theater im Schuppen (Deutschland), Theatre Modo (Schottland), The Cap and Stocking Players (England), Amifran d’Arad (Rumänien) sowie weitere Gruppen aus europäischen und außereuropäischen Ländern.

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